Starkregen nachweisen: Niederschlagsmenge am Schadentag belegen
Redaktion WetterNachweis · Stand: 11. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
Ob ein Regen "außergewöhnlich" war, lässt sich beziffern: mit der amtlichen Tagesniederschlagssumme der nächstgelegenen DWD-Station, im Profi-Bericht zusätzlich mit den 1-Stunden- und 6-Stunden-Werten, an denen der DWD seine Starkregen-Warnstufen festmacht (markant ab 15 mm/1 h oder 20 mm/6 h, Unwetter ab 25/35, extrem über 40/60; sofern die Station Stundenwerte liefert). Der Wetternachweis dokumentiert diese Werte für Ihren Standort und Schadentag - als Datendokumentation, nicht als Gutachten.
Starkregen ist ein Tatbestand mit Zahlen
Nach einem vollgelaufenen Keller, einem Rückstau oder einem überfluteten Grundstück steht schnell die Frage im Raum: War das ein außergewöhnliches Regenereignis - oder "nur" ein kräftiger Schauer? Für Elementarschadenversicherungen und für die Abgrenzung von Verantwortlichkeiten (Kommune, Nachbar, eigene Entwässerung) ist das entscheidend, und es lässt sich beziffern.
Der Deutsche Wetterdienst misst die tägliche Niederschlagssumme (Kennwert "RSK") an seinen Stationen. Damit lässt sich für Ihren Standort und den Schadentag dokumentieren, wie viel Regen amtlich gefallen ist - eine belastbare Grundlage für die Kommunikation mit der Versicherung.
Was gilt als Starkregen?
Der DWD staffelt Starkregen nach Menge und Zeit. Eine Warnstufe wird erreicht, wenn entweder der 1-Stunden- oder der 6-Stunden-Wert die Schwelle erreicht oder überschreitet (mm = l/m²):
| DWD-Warnstufe | 1-Stunden-Wert | 6-Stunden-Wert |
|---|---|---|
| markant (Starkregen) | ab 15 mm | ab 20 mm |
| Unwetter (heftiger Starkregen) | ab 25 mm | ab 35 mm |
| extrem (extrem heftiger Starkregen) | über 40 mm | über 60 mm |
Quelle der Schwellenwerte: Deutscher Wetterdienst, amtliche Warnkriterien (Stand: August 2026). Die Stufen beschreiben die Intensität des Niederschlags; ob der DWD zu einem Zeitpunkt tatsächlich eine Warnung ausgegeben hat, ist eine davon getrennte Frage.
Ein Wetternachweis zeigt zunächst die Tagessumme (Kennwert "RSK"). Eine hohe Tagessumme (z. B. 40, 60 oder 80 mm an einem Tag) ist bereits ein starkes Indiz für ein außergewöhnliches Ereignis und grenzt es klar von einem gewöhnlichen Regentag ab. Für die genaue Ein-Stunden- und Sechs-Stunden-Intensität - also die Frage, ob eine amtliche Starkregen-Warnschwelle erreicht wurde - dokumentiert der Profi-Bericht zusätzlich die stündlichen Niederschlagsdaten des DWD (siehe nächster Abschnitt).
Stündliche Niederschlagsdaten: Uhrzeit und Intensität im Profi-Bericht
Der Profi-Bericht dokumentiert für jeden Einstufungstag (A/B/C) sowie für jeden Starkregen- und Sturm-Ereignistag (jeweils im gewählten Element) den zeitlichen Verlauf des Niederschlags aus den stündlichen Messwerten des DWD (Ortszeit, sommerzeitkorrekt):
- Wann der Regen fiel (das Regenfenster, z. B. 14-19 Uhr) und die Spitzenintensität (mm pro Stunde) mit Uhrzeit.
- Der höchste 1-Stunden- und 6-Stunden-Wert - die Größen, an denen der DWD seine Starkregen-Warnstufen festmacht.
- Ob eine amtliche Warnschwelle erreicht wurde (markant, Unwetter oder extrem), direkt am jeweiligen Tag ausgewiesen.
Erreicht ein gemessener Wert eine Schwelle, entspricht die Intensität der jeweiligen Warnstufe - das ist eine Einordnung der Messwerte und keine Aussage darüber, ob der DWD tatsächlich eine Warnung ausgegeben hat.
Im PDF steht dazu je solchem Tag ein kompakter Stundenverlauf (24-Stunden-Balken); die komplette Stunde-für-Stunde-Reihe aller gemessenen Stunden des Zeitraums liegt - sofern die Station Stundenwerte liefert - zusätzlich der CSV-Datei bei. So lässt sich nicht nur die Tagessumme, sondern die genaue Intensität und der Zeitpunkt belegen - bei einem Rückstau oder einer Überflutung ist das oft der entscheidende Punkt.
Nicht jede DWD-Station liefert Stundenwerte. Fehlt die stündliche Auflösung für die nächstgelegene Station, weist der Bericht das transparent aus; die amtliche Tagessumme und die A/B/C-Einstufung bleiben davon unberührt. Die stundengenaue Auswertung deckt auf Wunsch auch Temperatur (Froststunden) und Windböen (Sturmstunden) ab - jedes Element einzeln wählbar; mehr dazu im Ratgeber Starkregen stündlich nachweisen.
Was der Nachweis dokumentiert
- Die amtliche Tagesniederschlagssumme der nächstgelegenen DWD-Station am Schadentag.
- Zum Vergleich die Summe über den gewählten Zeitraum und die Abweichung vom langjährigen Mittel 1991-2020 - in jedem Bericht, auch im Gratis-Bericht, sofern die Station vieljährige Mittelwerte hat -, sodass sich einordnen lässt, wie ungewöhnlich der Monat insgesamt war.
- Die verwendete Station mit Entfernung und Höhe, damit die Aussagekraft für Ihren Standort transparent bleibt.
Auch hier gilt: Der Bericht ist eine Datendokumentation, kein Gutachten. Er belegt die gefallene Regenmenge, nicht, dass genau diese den Schaden verursacht hat. Die Schadenbewertung bleibt bei Versicherer und Sachverständigen. Bei einer Elementarschadenmeldung kommt es zudem darauf an, dass tatsächlich eine Überschwemmung vorlag - Gerichte verlangen dafür ein Hinaustreten des Wassers über die Erdoberfläche mit erheblichen Mengen Oberflächenwasser; ein nur durchnässter Boden oder Pfützen genügen nicht (so etwa OLG Dresden, Urteil vom 17.06.2025 - 4 U 1685/24). Die Regenmenge belegt der Wetternachweis; die Überflutung selbst dokumentieren Sie ergänzend, etwa mit Fotos.
Grenzen bei Starkregen besonders beachten
Starkregen ist kleinräumig. Eine Gewitterzelle kann über Ihrem Grundstück 50 mm abladen, während die 8 km entfernte Station nur 12 mm misst. Deshalb:
- Zeigt die Station bereits eine hohe Summe, stützt das Ihre Darstellung deutlich.
- Zeigt die Station wenig, obwohl bei Ihnen viel fiel, ist das kein Gegenbeweis - es zeigt nur die örtliche Streuung. In solchen Fällen können Sie ergänzend die Radar-Detailauswertung hinzubuchen (1-km-Radar des DWD RADOLAN für die Rasterzelle Ihrer Adresse, Zusatzoption +20 EUR) - mehr dazu im Beitrag Lokalen Starkregen mit 1-km-Radarschätzung für die Rasterzelle der Adresse nachweisen. Der Wetternachweis dokumentiert transparent, welche Station wie weit entfernt liegt.
Wie ungewöhnlich war der Regen? Der Vergleich mit dem langjährigen Mittel
Ein einzelner hoher Tageswert wirkt umso stärker, wenn er sich gegen das langjährige Mittel abheben lässt. Jeder Bericht stellt die gemessene Monats-Niederschlagssumme dem vieljährigen Mittelwert 1991-2020 der Station gegenüber und weist die prozentuale Abweichung aus, sofern die Station diese Mittelwerte hat. So wird belegbar, dass nicht nur ein einzelner Tag, sondern der gesamte Zeitraum deutlich nasser war als normal - ein Argument, das bei der Einordnung eines Elementarschadens oft schwerer wiegt als eine isolierte Tageszahl. Die Referenzperiode 1991-2020 ist der vom Deutschen Wetterdienst und der Weltorganisation für Meteorologie verwendete Standardmaßstab.
So gehen Sie vor
- Schadentag und Adresse festhalten - möglichst mit Uhrzeit und Fotos.
- Wetternachweis erstellen für den Standort und den Schadentag. Beachten Sie dabei: Der amtliche Regentag läuft nicht von 0 bis 24 Uhr, sondern etwa vom Morgen bis zum Morgen des Folgetags (je nach Jahreszeit ca. 7 bzw. 8 Uhr) - fiel der Regen in der Nacht oder am frühen Morgen, nehmen Sie zusätzlich den Vortag in den Zeitraum auf (im Bestellassistenten ein Klick, zum gleichen Preis).
- Der Schadenmeldung beilegen, zusammen mit Fotos, Rechnungen und - falls vorhanden - Meldungen der Kommune zu Überlastung der Kanalisation.
- Fristen und Meldepflichten Ihres Vertrags einhalten.
Häufige Fragen
Ab wie viel mm gilt Regen als Starkregen?
Der DWD staffelt nach Menge und Zeit: markant ab 15 mm in 1 Stunde oder 20 mm in 6 Stunden; Unwetter ab 25 mm/1 h oder 35 mm/6 h; extrem über 40 mm/1 h oder über 60 mm/6 h. Eine Tagessumme allein sagt noch nichts über die Stufe - entscheidend ist das Paar aus Menge und Zeitfenster.
Was, wenn die Station weniger gemessen hat als bei mir fiel?
Starkregen ist kleinräumig; eine entfernte Station kann eine lokale Zelle unterschätzen. Ein niedriger Stationswert ist deshalb kein Gegenbeweis. Für die Menge direkt an der Adresse gibt es die Radar-Detailauswertung: die amtliche 1-km-Radarschätzung des DWD für die Rasterzelle Ihrer Adresse.
Wie ordne ich ein, wie selten der Regen war?
Über die amtlichen KOSTRA-Wiederkehrzeiten: Sie nennen je Dauerstufe, welche Menge statistisch nur alle 5, 20 oder 100 Jahre erreicht wird. Der Bericht enthält diese Tabelle für die Rasterzelle Ihrer Adresse ab dem Basis-Paket - bei den Zwecken Starkregen, Bau und Allgemein vorausgewählt, in der Zusammenstellung für jeden Zweck zu- oder abwählbar; mehr dazu im Beitrag über Wiederkehrzeiten.
Reicht der Wetternachweis für die Versicherung?
Er liefert die amtliche Tatsachengrundlage zur Wetterlage. Für einen Elementarschaden kommt es zusätzlich auf die dokumentierte Überschwemmung an (Fotos, Meldungen) und auf Ihre Vertragsbedingungen; die Bewertung bleibt beim Versicherer.
Kurz zusammengefasst
- Die amtliche Tagesniederschlagssumme des DWD belegt objektiv, wie viel Regen am Schadentag fiel.
- Hohe Tagessummen grenzen ein Starkregenereignis klar vom Normalregen ab.
- Die exakte Stundenintensität und die erreichte Warnschwelle dokumentiert der Profi-Bericht aus den DWD-Stundenwerten (sofern die Station sie liefert); für die Regenmenge in der 1-km-Rasterzelle der Adresse lässt sich ergänzend die Radar-Detailauswertung (1-km-Radar, Zusatzoption +20 EUR) hinzubuchen.
- Starkregen ist kleinräumig - der Nachweis nennt die Station und Entfernung, damit die Aussagekraft transparent bleibt.
Vertiefung zur stündlichen Auflösung: Starkregen stündlich nachweisen - Uhrzeit und Regenmenge belegen. Ging es zusätzlich um Wind- oder Sturmschäden, hilft der Ratgeber Sturmschaden gegenüber der Versicherung nachweisen. Den Niederschlags-Nachweis für Ihren Schadentag erstellen Sie hier.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall; maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen.