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Jahrhundertregen oder normal? Starkregen mit KOSTRA-Wiederkehrzeiten einordnen

Redaktion WetterNachweis · Stand: 11. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Ob ein Regen "außergewöhnlich" war, beantwortet der Deutsche Wetterdienst mit einer Statistik: KOSTRA-DWD-2020 nennt für jede 5-km-Rasterzelle Deutschlands, welche Niederschlagsmenge je Dauerstufe im Mittel nur alle 1 bis 100 Jahre erreicht oder überschritten wird. Liegt Ihr gemessener Wert über dem 20- oder 50-Jahres-Wert, ist das ein starkes, amtlich fundiertes Argument für ein seltenes Ereignis. Der WetterNachweis-Bericht enthält diese Einordnungstabelle für die Rasterzelle Ihrer Adresse mit fünf Dauerstufen von 15 Minuten bis 72 Stunden - ab dem Basis-Paket, bei den Zwecken Starkregen, Bau und Allgemein vorausgewählt und in der Zusammenstellung für jeden Zweck einzeln zu- oder abwählbar.

Warum die Wiederkehrzeit so wichtig ist

Nach einem Starkregenschaden dreht sich vieles um eine Frage: War das ein seltenes, außergewöhnliches Ereignis oder gewöhnlicher Regen? Versicherer, Kommunen und Gerichte arbeiten hier oft mit dem Begriff der Wiederkehrzeit (auch Jährlichkeit oder Wiederkehrintervall): Ein "20-jährliches Ereignis" ist eine Niederschlagsmenge, die an diesem Ort statistisch im Mittel nur alle 20 Jahre erreicht oder überschritten wird.

Diese Einordnung ist kein Bauchgefühl, sondern amtliche Statistik: KOSTRA-DWD-2020 ("Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung") des Deutschen Wetterdienstes, Bezugszeitraum 1951 bis 2020, gültig seit dem 01.01.2023.

Was KOSTRA genau angibt

KOSTRA nennt für jede Rasterzelle von 5 km x 5 km (rund 25 km²) und für 22 Dauerstufen von 5 Minuten bis 7 Tagen die statistischen Bemessungswerte in mm. Entscheidend ist: Eine Wiederkehrzeit gilt immer nur zusammen mit ihrer Dauerstufe. "50 mm" kann für eine Stunde ein sehr seltenes Ereignis sein und für drei Tage völlig gewöhnlich.

So ist die Einordnungstabelle im Bericht aufgebaut, sofern sie zu- bzw. vorausgewählt ist: Sie führt fünf Dauerstufen - 15 Minuten, 1 Stunde, 6 Stunden, 24 Stunden und 72 Stunden - und nennt zu jeder die Bemessungswerte in mm für die Wiederkehrzeiten 1, 5, 10, 20, 50 und 100 Jahre (KOSTRA-DWD-2020, Bezugszeitraum 1951 bis 2020, gültig ab 01.01.2023, Rasterweite 5 km). Die Zahlen selbst unterscheiden sich von Rasterzelle zu Rasterzelle; der Bericht liest sie für die Zelle Ihrer Adresse aus der amtlichen Quelle und druckt die Zellkoordinaten dazu, sodass jeder Empfänger sie nachschlagen kann.

Lesart: Suchen Sie die Zeile Ihrer Dauerstufe und gehen Sie darin nach rechts, bis Ihr gemessener Wert überschritten ist - die Spaltenüberschrift daneben ist die Wiederkehrzeit.

Wie Sie Ihren gemessenen Wert einordnen

  1. Gemessenen Wert dokumentieren: die amtliche Tagessumme der nächstgelegenen DWD-Station, im Profi-Bericht zusätzlich die 1-Stunden- und 6-Stunden-Werte aus den Stundendaten (sofern die Station Stundenwerte liefert), bei Bedarf die 1-km-Radarauswertung für die Rasterzelle der Adresse.
  2. Mit der passenden Dauerstufe vergleichen: Tagessumme mit der 24-Stunden-Zeile, Stundenspitze mit der 1-Stunden-Zeile.
  3. Die Einordnung benennen: "Der gemessene Tageswert liegt über dem 20-Jahres-Wert der Rasterzelle" ist eine überprüfbare, sachliche Aussage - deutlich stärker als "es hat extrem geregnet". Nennen Sie dabei beide Zahlen aus Ihrem Bericht: den gemessenen Wert und den Bemessungswert der Zelle.

Der WetterNachweis-Bericht enthält die KOSTRA-Tabelle für die Rasterzelle Ihrer Adresse ab dem Basis-Paket - bei den Zwecken Starkregen, Bau und Allgemein vorausgewählt und in der Zusammenstellung für jeden Zweck zu- oder abwählbar -, einschließlich der Zellkoordinaten, sodass jeder Empfänger die Werte beim DWD unabhängig nachprüfen kann.

Die Grenzen ehrlich benannt

  • KOSTRA ist eine Statistik, kein Schadensnachweis. Der Wert beschreibt die Seltenheit einer Niederschlagsmenge, nicht, ob und welcher Schaden entstanden ist.
  • 5-km-Raster: Der Wert gilt für die Rasterzelle (rund 25 km²), nicht metergenau für Ihr Grundstück.
  • Statistische Unsicherheit: Gerade bei hohen Wiederkehrzeiten (50, 100 Jahre) tragen die Werte eine Bandbreite; der DWD veröffentlicht dazu eigene Unsicherheitsangaben.
  • Die verglichene Menge stammt von der Station oder vom Radar - der Stationswert ist gemessen, der Radarwert eine flächenbezogene Schätzung für die 1-km-Rasterzelle der Adresse. Die Station kann eine kleinräumige Regenzelle unterschätzen; für die Menge an der Adresse hilft die Radar-Detailauswertung.

Häufige Fragen

Was bedeutet "Jahrhundertregen" genau?

Umgangssprachlich meint das ein Ereignis mit einer Wiederkehrzeit von 100 Jahren: eine Niederschlagsmenge, die an diesem Ort statistisch im Mittel nur einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. Das ist keine Garantie, dass es 100 Jahre lang nicht wieder passiert - es kann in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftreten; die Statistik beschreibt die langjährige Häufigkeit.

Reicht die Wiederkehrzeit als Nachweis für die Versicherung?

Sie ist ein starkes Einordnungsargument, aber kein Schadensnachweis. Üblich ist die Kombination: gemessene Menge (Station, ggf. Radar), statistische Einordnung (KOSTRA) und die Dokumentation des Schadens selbst (Fotos, Meldungen). Ob ein Schaden versichert ist, ergibt sich aus dem Vertrag.

Woher stammen die KOSTRA-Werte und darf ich sie verwenden?

Vom Deutschen Wetterdienst als freie Open Data (KOSTRA-DWD-2020, CC BY 4.0 mit Quellenvermerk). Der WetterNachweis-Bericht druckt die Werte - sofern die Tabelle zu- bzw. vorausgewählt ist - mit Zellkoordinaten und Quellenangabe, sodass sie unabhängig nachprüfbar sind.

Gilt die Tabelle auch für Schnee oder Wind?

Nein. KOSTRA-DWD-2020 umfasst ausschließlich Niederschlags-Wiederkehrzeiten. Für Wind und Schnee gibt es keine vergleichbare amtliche Wiederkehrzeiten-Statistik des DWD in diesem Produkt; der Bericht ordnet Wind über seine Auswahlschwelle für Sturmböen-Tage (ab Windstärke 8, also 17,2 m/s) und Schnee über die gemessene Schneehöhe ein. Einen Vergleich mit dem langjährigen Mittel 1991-2020 gibt es nur für Niederschlag, Frosttage und Temperatur - und auch dort nur, sofern die Station das jeweilige Mittel führt; für Wind und Schnee veröffentlicht der DWD keine entsprechenden Normalwerte in dieser Form.

Kurz zusammengefasst

  • Die Wiederkehrzeit macht aus "viel Regen" eine überprüfbare Aussage: seltener als alle 5, 20 oder 100 Jahre.
  • Maßgeblich ist immer das Paar aus Menge und Dauerstufe - nie eine Menge allein.
  • Der WetterNachweis-Bericht enthält die KOSTRA-Tabelle der Rasterzelle Ihrer Adresse ab Basis - bei den Zwecken Starkregen, Bau und Allgemein vorausgewählt, für jeden Zweck zuwählbar -, mit Zellkoordinaten zur unabhängigen Nachprüfung.
  • KOSTRA ordnet ein, sie beweist keinen Schaden - die Bewertung bleibt bei Versicherer, Sachverständigen oder Gericht.

Den Nachweis mit statistischer Einordnung für Ihre Adresse erstellen Sie hier.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall.