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Hitze auf der Baustelle: Arbeitsausfall nachweisen

Redaktion WetterNachweis · Stand: 11. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Arbeiten im Freien gibt es keinen einheitlichen gesetzlichen Grenzwert, ab dem automatisch "hitzefrei" gilt; entscheidend ist die tatsächliche Temperatur am Bautag und deren Bewertung im Einzelfall.
  • Belegen lässt sich die Belastung über die amtlich gemessene Höchsttemperatur der nächstgelegenen DWD-Station; der Profi-Bericht liefert zusätzlich die stündlichen Temperaturwerte als CSV, sofern die Station Stundenwerte misst.
  • Der Wetternachweis ist eine Datendokumentation: Er belegt die Wetterlage, nicht die Schadenursache, und ist kein Sachverständigengutachten.

Warum Hitze auf der Baustelle zum Thema wird

Extreme Hitze kann Bauarbeiten spürbar verzögern: Asphalt-, Beton- und Estricharbeiten lassen sich bei sehr hohen Temperaturen nur eingeschränkt ausführen, Materialien reagieren empfindlich, und der Arbeitsschutz verlangt zusätzliche Pausen sowie Schutzmaßnahmen. Wenn dadurch ganze Arbeitstage ausfallen oder die Leistung deutlich sinkt, stellt sich schnell die Frage nach der Ursache - und nach der Dokumentation.

Ob es um eine Bauzeitverlängerung, eine Behinderungsanzeige oder eine interne Aufzeichnung zum Arbeitsschutz geht: In allen Fällen hilft es, die tatsächliche Wetterlage am jeweiligen Tag mit amtlichen Zahlen zu belegen statt mit einer bloßen Erinnerung. Für Bauunternehmen fassen wir die typischen Anwendungsfälle auf der Seite Wetternachweis für das Baugewerbe zusammen.

Was ein Wetternachweis leistet - und was nicht

Der Wetternachweis ist eine Datendokumentation auf Basis amtlicher DWD-Daten. Er belegt, welche Temperaturen an einem bestimmten Tag an der nächstgelegenen Station geherrscht haben. Er ist kein Sachverständigengutachten und keine Rechtsberatung, und er belegt die Wetterlage, nicht den konkreten Umfang eines Arbeitsausfalls oder dessen Ursache im Einzelfall.

Ob eine Hitzeperiode einen Anspruch auf Bauzeitverlängerung begründet, ob eine Behinderungsanzeige berechtigt ist oder welche Arbeitsschutzpflichten galten, bewerten Ihre Vertragspartner, Fachleute für Arbeitssicherheit und im Streitfall Gerichte. Der Nachweis liefert dafür die belastbare Tatsachengrundlage - die Einordnung bleibt bei den Fachleuten.

Stationsdaten und ihre Grenzen

Jeder Bericht nennt die herangezogene Station mit Entfernung zur Adresse und Höhe über Normalnull. Das ist wichtig, weil sich Temperaturen räumlich und mit der Höhenlage unterscheiden.

  • Die Höchsttemperatur als Tageswert ist der zentrale Kennwert für die Hitzebelastung.
  • Als Faustwert nimmt die Temperatur mit der Höhe um rund 0,65 Grad Celsius je 100 Höhenmeter ab; liegt Ihre Baustelle deutlich niedriger als die Station, kann es vor Ort noch wärmer gewesen sein.
  • Die Abweichung vom langjährigen Mittel der Referenzperiode 1991-2020 zeigt, wie außergewöhnlich die Hitze im Vergleich zum Durchschnitt war - sofern die Station dieses Mittel führt; andernfalls dokumentiert der Bericht die Monatswerte ohne Vergleichsspalten.

Stündliche Temperaturwerte im Profi-Bericht

Für die tägliche Höchsttemperatur genügt der Basis-Bericht (19 Euro, bis zu 3 Monate, ein Vergleichsstandort - sofern verfügbar -, amtliche Tageswerte). Wollen Sie zeigen, wie lange die Temperatur an einem Tag über einer bestimmten Schwelle lag - etwa über 30 oder 35 Grad Celsius -, liefert der Profi-Bericht (49 Euro, bis zu 12 Monate, bis zu 3 Vergleichsstationen) die vollständige stündliche Temperaturreihe als CSV-Datei, mit der Sie die Dauer über der Schwelle selbst auswerten. Voraussetzung ist, dass die Station Stundenwerte misst - nicht jede DWD-Station tut das; bei der Stationsauswahl im Assistenten ist angegeben, welche Station Stundenwerte liefert. Im PDF-Bericht steht für einen reinen Hitzetag die Tageshöchsttemperatur; der stundengenaue Verlauf wird dort für die als A/B/C eingestuften Schlechtwettertage (amtlich oder als eigene, gekennzeichnete Berechnung nach den amtlichen Kriterien) sowie für markante Ereignistage in einem gewählten Element dargestellt.

Für baurechtliche Fragen lohnt sich der Blick auf die vertragliche Seite: Wie eine witterungsbedingte Behinderung nach VOB/B Paragraf 6 dokumentiert wird und wie sich Wetterrisiken im Bauvertrag verteilen, erläutern wir in eigenen Beiträgen.

So gehen Sie vor

  1. Tage und Adresse festlegen. Halten Sie fest, an welchen Tagen die Hitze die Arbeiten beeinträchtigt hat, und nennen Sie die genaue Baustellenadresse.
  2. Wetternachweis erstellen. Wählen Sie Basis für die tägliche Höchsttemperatur oder Profi für die vollständige stündliche Temperaturreihe als CSV-Export, sofern die Station Stundenwerte liefert.
  3. Der Dokumentation beilegen. Fügen Sie das PDF Ihrem Bautagebuch, der Behinderungsanzeige oder der internen Arbeitsschutzakte bei.
  4. Fristen beachten. Zeigen Sie eine Behinderung dem Auftraggeber unverzüglich an und dokumentieren Sie zeitnah, solange die Datenlage eindeutig ist.

Kurz zusammengefasst

  • Für Arbeiten im Freien gibt es keinen festen gesetzlichen Hitze-Grenzwert; maßgeblich ist die tatsächliche Temperatur im Einzelfall.
  • Die amtliche Höchsttemperatur der nächstgelegenen DWD-Station belegt die Hitzebelastung am Bautag.
  • Der Profi-Bericht ergänzt die vollständige stündliche Temperaturreihe als CSV-Export für eigene Auswertungen (sofern die Station Stundenwerte misst).
  • Der Nachweis dokumentiert die Wetterlage; die rechtliche und arbeitsschutzfachliche Bewertung bleibt bei den Fachleuten.

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur gibt es auf der Baustelle hitzefrei?

Ein pauschales gesetzliches "Hitzefrei" ab einer festen Gradzahl gibt es für Arbeiten im Freien nicht. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 nennt Richtwerte für Raumtemperaturen in Arbeitsräumen; für Tätigkeiten im Freien richten sich die Schutzmaßnahmen nach der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers. Der Wetternachweis trifft keine Aussage zu diesen Pflichten - er dokumentiert lediglich die tatsächlich gemessene Temperatur, die eine solche Bewertung erst überprüfbar macht.

Wie weise ich einen hitzebedingten Arbeitsausfall gegenüber dem Auftraggeber nach?

In der Praxis kombinieren Sie Ihre eigene Dokumentation - Bautagebuch und eine rechtzeitige Behinderungsanzeige bei Schlechtwetter - mit den amtlichen Wetterdaten für den betreffenden Tag. Der Wetternachweis liefert die Höchsttemperatur der nächstgelegenen Station als objektive Tatsachengrundlage, während die vertragliche Bewertung des Ausfalls Ihrem Auftraggeber und gegebenenfalls einem Gericht obliegt.

Welche Temperaturwerte enthält der Bericht?

Der Basis-Bericht enthält die täglichen Höchst- und Tiefsttemperaturen für den gewählten Zeitraum. Der Profi-Bericht ergänzt - sofern die Station Stundenwerte misst - die stundengenauen Werte und stellt sie zusätzlich als CSV-Datei bereit, sodass Sie zum Beispiel die Dauer über einer Schwelle selbst auswerten können. Einen Überblick über Umfang und Kosten der Varianten finden Sie auf der Seite Preise.

Hilft der Radar-Nachweis bei Hitze?

Nein. Die Radar-Detailauswertung dokumentiert den Niederschlag als flächenbezogene Schätzung für die 1-km-Rasterzelle der Adresse und ist damit für Starkregen- oder Niederschlagsereignisse gedacht, nicht für Temperatur. Für die Hitzebelastung ist der Temperaturwert der nächstgelegenen Station der maßgebliche Kennwert.

Verwandter Beitrag: Wie Sie eine witterungsbedingte Behinderung nach VOB/B Paragraf 6 dokumentieren und die Wetterrisiken im Bauvertrag einordnen, lesen Sie in eigenen Beiträgen; den Nachweis für Ihre Hitzetage stellen Sie hier in wenigen Minuten zusammen.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall; maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen.