PV-Minderertrag: war es das Wetter oder die Anlage?
Redaktion WetterNachweis · Stand: 11. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
Ein Minderertrag hat zwei mögliche Ursachen, und sie schließen einander aus: entweder war weniger Sonne da, oder die Anlage hat aus der vorhandenen Sonne zu wenig gemacht. Trennen lässt sich das nur, wenn die Einstrahlung des Streitzeitraums einem langjährigen Vergleichswert gegenübersteht. Der Wetternachweis liefert dafür - als im Profi-Bericht ohne Aufpreis zuwählbare Option - die amtliche Globalstrahlung des Deutschen Wetterdienstes je Monat, als Monatssumme des 1-x-1-km-Rasterfelds Ihres Standorts, wahlweise gegen das vieljährige Mittel 1991-2020. Die Bewertung der Anlage selbst bleibt bei Ihnen, Ihrem Installateur oder einem Sachverständigen.
Warum ein Minderertrag nicht automatisch am Wetter liegt
Die Jahresabrechnung liegt vor, der Ertrag bleibt hinter der Prognose zurück, und die erste Erklärung ist meist dieselbe: das Jahr war eben trüb. Manchmal stimmt das. Manchmal war die Einstrahlung völlig normal, und dann zeigt die Abweichung nicht auf den Himmel, sondern auf die Anlage: Verschattung durch gewachsene Bäume, ein ausgefallener oder abregelnder Wechselrichter, Modulverschmutzung, ein defekter String, ein falsch parametrierter Speicher.
Solange beide Erklärungen im Raum stehen, ist jedes Gespräch mit dem Installateur, dem Betreiber oder der Versicherung eine Meinungsfrage. Der Unterschied entsteht erst durch eine Zahl von außen: wie viel Sonnenenergie ist in diesem Zeitraum an diesem Ort tatsächlich angekommen, verglichen mit dem, was dort üblich ist.
Genau diese Gegenüberstellung ist die Logik, mit der auch andere Witterungsfragen geklärt werden. Wer Heizkosten fair vergleichen will, rechnet die Witterung mit Heizgradtagen heraus; wer einen Ernteschaden belegt, stellt Niederschlag und Bodenfeuchte dem langjährigen Mittel gegenüber. Beim Solarertrag ist die passende Größe die Globalstrahlung.
Was die amtliche Globalstrahlung zeigt - und was nicht
Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht die Globalstrahlung als Monatsraster für ganz Deutschland: für jedes Feld von 1 x 1 Kilometer die Monatssumme der eingestrahlten Energie in Kilowattstunden pro Quadratmeter. Im Profi-Bericht lässt sich diese Auswertung aufnehmen - ohne Aufpreis. Sie ist bei keinem Zweck vorausgewählt; Sie wählen sie im Formular hinzu. Im Basis-Bericht wird sie nicht angeboten.
Drei Einschränkungen gehören unmittelbar dazu, weil sie darüber entscheiden, was die Zahl belegen kann:
Erstens ist es ein Rasterwert, keine Messung an Ihrer Anlage. Der Wert beschreibt das Rasterfeld, in dem Ihre Adresse liegt, nicht Ihr Dach. Er ist ein flächenbezogener Schätzwert aus dem DWD-Modell. Für die Frage "war dieser Monat sonnenarm oder normal" ist das genau die richtige Auflösung; für die Frage "wie viel hat Modul 14 abbekommen" ist es die falsche.
Zweitens ist es die Einstrahlung auf die horizontale Ebene. Ihre Module stehen geneigt und in einer bestimmten Himmelsrichtung. Die horizontale Monatssumme ist deshalb nicht der Wert, den Ihre Modulfläche gesehen hat, und sie lässt sich nicht ohne Weiteres in erwartete Kilowattstunden umrechnen. Sie taugt für den Vergleich - dieser Monat gegen den langjährigen Durchschnitt desselben Monats -, nicht als Ertragsprognose. Diese Umrechnung auf Neigung und Ausrichtung nimmt Ihre Auslegungssoftware oder Ihr Sachverständiger vor.
Drittens bleiben Lücken sichtbar. Liegt für einen Monat kein Rasterwert vor, steht dort "k.A." und nicht Null. Ein Feld außerhalb Deutschlands und ein Monat ohne Sonne dürfen sich nicht gleich lesen. Die kostenlose Vorschau zeigt vorab, welche Werte für Ihren Zeitraum vorliegen.
Der Bericht ist damit eine Datendokumentation, kein Sachverständigengutachten. Er belegt die Einstrahlungslage, nicht den Anlagenzustand. Ob ein Defekt, eine Verschattung oder ein Auslegungsfehler vorliegt und wer dafür einsteht, entscheiden Sie, Ihr Installateur, ein Sachverständiger und gegebenenfalls Ihre Versicherung.
So ordnen Sie einen Minderertrag ein
- Zeitraum festlegen. Nehmen Sie den Zeitraum, über den gestritten wird, in vollen Kalendermonaten - das Monatsraster ist monatsweise aufgelöst.
- Einstrahlung je Monat gegen das langjährige Mittel stellen. Der Vergleichsmaßstab ist die 30-jährige Referenzperiode 1991-2020, die der DWD ebenfalls als Monatsraster führt.
- Das Ergebnis lesen. Liegt die Einstrahlung deutlich unter dem Mittel, erklärt die Witterung einen Teil des Minderertrags - und zwar der Größenordnung nach bezifferbar. Liegt sie im Bereich des Mittels oder darüber, während der Ertrag einbricht, ist die Witterung als Erklärung verbraucht. Dann lohnt der Blick auf die Anlage.
- Die eigenen Ertragsdaten danebenlegen. Der Wetternachweis liefert die Außengröße; die Innengröße - Ihre monatlichen Erträge aus dem Wechselrichter oder Portal - bringen Sie mit. Erst beide zusammen ergeben eine Aussage.
- Nach Bedarf ergänzen. Die täglichen Stationswerte der nächstgelegenen DWD-Station, etwa die Lufttemperatur, stehen im selben Bericht, sofern die Station die jeweilige Messreihe führt. Hohe Modultemperaturen mindern den Wirkungsgrad, was gerade in sehr sonnenreichen Monaten mitspielt.
Für Sachverständige und Betriebsführung
Wer für Dritte bewertet, braucht die Einstrahlungsdaten regelmäßig nicht als Interpretation, sondern als belegbare Anlage zum eigenen Bericht: mit benannter Quelle, benanntem Verfahren und einem Zeitstempel. Der Profi-Bericht ist so gebaut. Er nennt Herkunft und Einheit der Rasterwerte, weist die Monatssummen neben dem vieljährigen Mittel aus und dokumentiert die Lücken als solche.
Für die Betriebsführung mehrerer Anlagen ist derselbe Nutzen der Reihenvergleich: Fällt der Ertrag an einem Standort aus der Reihe, während die Einstrahlung dort normal war, ist das ein Prüfhinweis auf die Anlage und keine Wetterfrage mehr.
Kurz zusammengefasst
Der Wetternachweis beantwortet genau eine Hälfte der Frage, dafür aber belastbar und aus amtlicher Quelle: wie viel Sonne war da, gemessen am langjährigen Üblichen. Die andere Hälfte - was Ihre Anlage daraus gemacht hat und warum - bleibt bei den Beteiligten. Der Wert der Dokumentation liegt darin, dass die Wetterfrage danach nicht mehr strittig ist.
Häufige Fragen
Ersetzt das ein Gutachten zur Anlage?
Nein. Der Bericht ist eine Datendokumentation der Witterung. Er sagt nichts über Zustand, Auslegung oder Verschaltung Ihrer Anlage aus. Er liefert die meteorologische Tatsachengrundlage, auf der eine solche Bewertung aufsetzen kann.
Ist die Globalstrahlung an meiner Adresse gemessen?
Nein. Der Wert stammt aus dem amtlichen DWD-Monatsraster und beschreibt ein Feld von 1 x 1 Kilometer, in dem Ihre Adresse liegt. Das ist ein flächenbezogener Schätzwert für dieses Rasterfeld, keine Messung auf Ihrem Dach.
Warum rechnet der Bericht meinen erwarteten Ertrag nicht aus?
Weil dafür Angaben nötig wären, die nicht aus Wetterdaten stammen: Neigung, Ausrichtung, Modulfläche, Verschattung, Wirkungsgrade und Verluste. Die amtliche Größe ist die horizontale Einstrahlung; die Umrechnung auf Ihre Modulebene ist eine Anlagenrechnung und gehört zur Auslegungssoftware oder zum Sachverständigen.
Welcher Zeitraum ist sinnvoll?
So lang, wie der Streit reicht, und in vollen Monaten. Ein einzelner trüber Monat sagt wenig; ein Betriebsjahr gegen das vieljährige Mittel ist die aussagekräftige Form.
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Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall; maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen.