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Ernteschaden durch Dürre mit amtlichen Wetterdaten nachweisen

Redaktion WetterNachweis · Stand: 11. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Dürre lässt sich über das Niederschlagsdefizit belegen: die Abweichung der tatsächlich gefallenen Regenmengen von den langjährigen Mittelwerten.
  • Als Referenz dienen die amtlichen DWD-Normalwerte der Klimareferenzperiode 1991 bis 2020, verglichen mit den gemessenen Monatssummen Ihres Schadenzeitraums - sofern die Station diese Mittelwerte führt.
  • Der Wetternachweis dokumentiert diese Summen und die Abweichung als PDF: Er belegt die Wetterlage, nicht die Schadenursache, und ist kein Sachverständigengutachten.

Warum das Niederschlagsdefizit die entscheidende Kennzahl ist

Ein einzelner trockener Tag sagt über einen Ernteschaden nichts aus. Entscheidend ist, ob über einen längeren Zeitraum - typischerweise die Vegetationsperiode oder einzelne kritische Wachstumsphasen - deutlich weniger Niederschlag gefallen ist als im langjährigen Mittel. Genau diese Aussage lässt sich mit amtlich gemessenen Werten des Deutschen Wetterdienstes belegen.

Der DWD erfasst den Niederschlag (Kennwert "RSK") als Tageswert an seinen Stationen. Der Bericht stellt die gemessene Regenmenge Monat für Monat dem Mittelwert der Referenzperiode 1991 bis 2020 gegenüber und weist je Monat die prozentuale Abweichung aus (Ist- und Mittelwert jeweils in Millimetern) - sofern die Station dieses Mittel führt. Nicht jede Station veröffentlicht ein Niederschlagsmittel 1991-2020; fehlt es, dokumentiert der Bericht die Monatssummen ohne Vergleichsspalten und weist darauf hin. So lässt sich über den gesamten Schadenzeitraum nachvollziehen, wie deutlich der Niederschlag unter dem langjährigen Mittel lag.

Ob Sie diese Dokumentation für einen Antrag auf Dürrehilfe, für eine Mehrgefahrenversicherung oder zur Begründung einer Pachtanpassung benötigen: In allen Fällen wird ein objektiver Beleg der Witterung erwartet. Mehr zu den landwirtschaftlichen Anwendungsfällen finden Sie auf unserer Seite Wetternachweis für die Landwirtschaft.

Was ein Wetternachweis leistet - und was nicht

Der Wetternachweis ist eine Datendokumentation. Er fasst die amtlich gemessenen Niederschlags-, Temperatur- und, soweit die Station sie misst, Windwerte für Ihre Adresse und Ihren Zeitraum zusammen und weist - wo die Station die Normalwerte führt - die Abweichung von ihnen aus (Normalwerte gibt es für Niederschlag, Frosttage und Temperatur). Er ist ausdrücklich kein Sachverständigengutachten und keine Rechtsberatung.

Der Bericht belegt die Wetterlage, nicht die Schadenursache. Dass in Ihrer Region eine ausgeprägte Trockenheit herrschte, kann er zeigen. Ob der konkrete Ernteausfall auf diese Trockenheit zurückzuführen ist und in welcher Höhe, bewerten der Sachverständige, die Versicherung oder die bewilligende Stelle. Ob eine Behörde oder ein Versicherer die Dokumentation anerkennt, entscheidet allein die jeweilige Stelle nach ihren eigenen Kriterien.

Stationsdaten und ihre Grenzen

Der Bericht stützt sich auf die nächstgelegene geeignete DWD-Station. Jeder Bericht nennt diese Station mit ihrer Entfernung zur Adresse und ihrer Höhe über Normalnull, damit die Aussagekraft transparent bleibt.

  • Bei großräumigen Trockenphasen sind Stationswerte gut übertragbar, weil ein Niederschlagsdefizit über Wochen und Monate meist eine ganze Region betrifft.
  • Lokale Sommergewitter können dagegen kleinräumig sein: Ein Schauer an der Station muss Ihren Schlag nicht erreicht haben und umgekehrt.
  • Bei Temperaturwerten wirkt die Höhenlage: Als Faustwert nimmt die Temperatur um rund 0,65 °C je 100 Höhenmeter ab. Liegt Ihre Fläche deutlich höher oder tiefer als die Station, ist das zu berücksichtigen.
  • Fehlt an der nächsten Station ein Wert, kann der Profi-Bericht die Lücke auf Wunsch aus einer geeigneten Nachbarstation ergänzen und weist dies aus: Der Niederschlag wird dabei unverändert übertragen, nur die Temperatur wird im Standardfall auf die Höhe der Hauptstation umgerechnet (auf Wunsch auch unverändert übernommen) und ist ausdrücklich ein Schätzwert. Andernfalls bleibt der Tag als "k.A." dokumentiert.

Mehrmonats-Auswertung: der Profi-Bericht

Für einen Trockenheitsschaden ist in der Regel der Profi-Bericht (49 Euro) die passende Wahl, weil er bis zu 12 Monate abdeckt und so eine komplette Vegetationsperiode dokumentieren kann. Er erlaubt bis zu drei Vergleichsstationen und liefert die Tageswerte zusätzlich als CSV-Datei, sodass Sie oder Ihr Sachverständiger eigene Auswertungen anschließen können. Der Basis-Bericht (19 Euro) reicht bis zu drei Monate und eignet sich, wenn nur eine kurze, klar abgegrenzte Phase relevant ist. Einen Überblick geben die Preise.

Im Profi-Bericht lässt sich zusätzlich die Bodenfeuchte je Monat aufnehmen - ohne Aufpreis. Beim Zweck "Landwirtschaft / Garten" ist sie bereits vorausgewählt (und bleibt abwählbar); bei jedem anderen Zweck wählen Sie sie im Formular hinzu. Sie weist für jeden Monat des Zeitraums den amtlichen DWD-Rasterwert der 1-km-Rasterzelle Ihrer Adresse aus, in Prozent pflanzenverfügbares Wasser (% nFK). Wichtig für die Einordnung: Das ist ein aus dem DWD-Modell abgeleiteter, flächenbezogener Schätzwert für die Rasterzelle und keine Messung auf Ihrem Schlag; Monate ohne Rasterwert stehen als "k.A." und nicht als Null. Für Sonderkulturen steht daneben die Globalstrahlung je Monat zur Wahl, ebenfalls ohne Aufpreis; wie sich dieselbe Größe für die Einordnung eines Solarertrags nutzen lässt, beschreibt PV-Minderertrag: war es das Wetter oder die Anlage?. Im Basis-Bericht werden beide nicht angeboten.

Der Bericht summiert die täglichen Niederschlagswerte über Ihren Zeitraum, stellt sie - sofern die Station das Mittel führt - der Normalperiode 1991 bis 2020 gegenüber und weist die Abweichung aus. Das ist die spiegelbildliche Fragestellung zu einem einzelnen Starkregenereignis, bei dem es um eine große Menge in kurzer Zeit geht - wie es der Beitrag Starkregenereignis nachweisen beschreibt. Bei der Dürre geht es um das Fehlen von Niederschlag über eine lange Strecke.

So gehen Sie vor

  1. Zeitraum abgrenzen. Legen Sie fest, welcher Zeitraum für Ihren Schaden maßgeblich ist - etwa die Vegetationsperiode oder eine kritische Wachstumsphase Ihrer Kultur.
  2. Adresse und Flurstück benennen. Geben Sie den Standort der betroffenen Fläche an, damit die nächstgelegene Station korrekt bestimmt wird.
  3. Wetternachweis erstellen. Erstellen Sie den Profi-Bericht für den gewählten Zeitraum; er weist die Niederschlagssumme und - sofern die Station das Mittel führt - die Abweichung von den Normalwerten aus.
  4. Dem Antrag oder der Meldung beilegen. Legen Sie das PDF Ihrem Antrag auf Dürrehilfe, Ihrer Schadenmeldung an die Mehrgefahrenversicherung oder Ihrer Begründung gegenüber dem Verpächter bei.
  5. Fristen beachten. Achten Sie auf Melde- und Antragsfristen der jeweiligen Stelle; die Datenverfügbarkeit des DWD steht der Erstellung eines späteren Berichts nicht entgegen.

Kurz zusammengefasst

  • Eine Dürre belegen Sie über das Niederschlagsdefizit gegenüber den Normalwerten 1991 bis 2020, sofern die Station diese führt.
  • Der Profi-Bericht deckt bis zu 12 Monate ab und ist damit für eine ganze Vegetationsperiode geeignet.
  • Der Wetternachweis dokumentiert die Wetterlage, ersetzt aber kein Gutachten zum konkreten Ernteschaden.

Häufige Fragen

Wie weise ich einen Trockenheitsschaden für die Dürrehilfe nach?

Grundlage ist ein objektiver Beleg, dass in Ihrem Zeitraum deutlich weniger Niederschlag gefallen ist als im langjährigen Mittel. Der Wetternachweis liefert dafür die amtlichen DWD-Niederschlagssummen für Ihre Adresse und - sofern die Station das Mittel führt - die Abweichung von den Normalwerten 1991 bis 2020 als PDF; andernfalls dokumentiert er die Monatssummen ohne Vergleichsspalten. Welche Unterlagen und Schwellen ein konkretes Hilfsprogramm verlangt, legt die bewilligende Stelle fest; der Bericht ist der Wetterbeleg, nicht die Bewilligungsentscheidung.

Welche Wetterdaten braucht die Mehrgefahrenversicherung bei Dürre?

Üblicherweise geht es um die dokumentierte Niederschlagsmenge über den Schadenzeitraum und deren Abweichung vom langjährigen Mittel, teils ergänzt um Temperaturwerte in Hitzephasen. Genau diese Werte weist der Profi-Bericht aus - die Abweichung, sofern die Station das jeweilige Mittel führt -, tagesgenau und mit CSV-Datei für weitergehende Auswertungen. Ob und in welcher Höhe reguliert wird, richtet sich nach Ihren Versicherungsbedingungen und der Bewertung des Versicherers.

Kann ich mit dem Wetternachweis eine Pachtanpassung begründen?

Der Bericht kann belegen, dass in der Pachtzeit eine außergewöhnliche Trockenheit herrschte, und damit eine Grundlage für ein Gespräch über eine Pachtanpassung liefern. Ob im Einzelfall eine Anpassung nach dem Landpachtrecht oder eine im Pachtvertrag vereinbarte Minderung in Betracht kommt, richtet sich nach Ihren Vertragsbedingungen und den gesetzlichen Regelungen; das ist eine rechtliche Bewertung, die der Wetternachweis nicht ersetzt. Das Ertragsrisiko trägt im Grundsatz der Pächter.

Über welchen Zeitraum sollte ich das Niederschlagsdefizit dokumentieren?

Sinnvoll ist der Zeitraum, der für Ihre Kultur und Ihren Schaden entscheidend war - oft die gesamte Vegetationsperiode, manchmal nur einzelne Wachstumsphasen. Der Profi-Bericht erfasst bis zu 12 Monate am Stück, sodass Sie eine komplette Saison abbilden können. Wählen Sie den Zeitraum so, dass die kritische Trockenphase vollständig enthalten ist.

Verwandter Beitrag: Zur spiegelbildlichen Situation eines einzelnen Regenereignisses lesen Sie Starkregenereignis nachweisen; für ein einzelnes Ereignis lässt sich mit der Radar-Detailauswertung der Niederschlag als flächenbezogene 1-km-Radarschätzung für die Rasterzelle der Adresse darstellen. Den Nachweis für Ihren Schadenzeitraum stellen Sie hier in wenigen Minuten zusammen.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall; maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen und die Kriterien der jeweiligen Stelle.